Schlagzeilen wie „General Electric (GE) beruft aktivistischen Investor in Verwaltungsrat“ waren vor ein paar Jahren noch undenkbar. Der Hedgefonds-Manager Nelson Peltz von Trian mischt sich seit seinem Einstieg 2015 bei GE lautstark in die Geschäfte ein. Hauptkritikpunkt war der schwächelnde Aktienkurs. Auf Drängen von Trian überarbeitete GE das Vergütungssystem und koppelte im März die Manager-Gehälter stärker an den Erfolg. Im Juni wurde dann der Abgang von Jeff Immelt bekannt gegeben. Trian, ein wesentlicher Treiber der Veränderungen, hielt nach den letzten Veröffentlichungen ca. 0,8 Prozent der GE-Aktien.

Bei Procter & Gamble strebte Nelson Peltz ebenfalls einen Boardsitz an, der Proxy Fight wurde von Unternehmensseite gewonnen. Nelson Peltz konnte nicht genügend Aktionäre für sich gewinnen. Das Ergebnis ist eine gespaltene Aktionärsbasis und ein Sieg des Managements, der viel Ressourcen gebunden hat. Wie nachhaltig die Ruhe ist, werden die nächsten Hauptversammlungen zeigen. Auch bei BHP Billiton liefern sich aktivistische Investoren und das Management einen bemerkenswerten Kampf.

Wenn man versucht zu erklären, wie ein Aktivist handelt, ist Elliott ein Musterbeispiel. Elliott gilt nicht umsonst als einer der lautstärksten Vertreter der Branche. Elliott hält mittlerweile einen Anteil von über 5 % an BHP (Marktkapitalisierung > 100 Mrd. US$.). Die wichtigsten Forderungen sind der Verkauf von Geschäftsteilen, höhere Gewinnausschüttungen und eine Reduzierung der Komplexität durch die Aufgabe des Dual-Listings.

Die Hauptversammlung der BHP Billiton am 19. Oktober 2017 in London war spannend, es gab aber keine nennenswerten Ergebnisse. Elliott hat eine Vielzahl von Gesprächen mit BHP Investoren geführt und darüber hinaus auch eine große Plakataktion in Auftrag gegeben. Der Slogan lautete: „THINK SMART, tell BHP it’s time for CHANGE."

BHP ist aber nicht das einzige Investment von Elliott. Aktuell engagiert sich Elliott unter anderem bei Stada, Akzo Nobel, GEA. Es gibt noch viele Beispiele, dass Large Caps genauso im Fokus der Aktivisten stehen, wie Small Caps und Mid Caps und zeigt die Kampagne von Third Point bei Nestle.

 

Die Diskussion zur Umsetzung der Vergütungsabstimmungen läuft auch bereits vor der Bildung der neuen bundesdeutschen Regierung an. Es wird ernsthaft diskutiert, die Hauptversammlung verbindlich über das Vergütungssystem wie auch beratend jährlich über den Vergütungsbericht abstimmen zu lassen. Als Hauptargument für das „Binding Vote“ für das Vergütungssystem wird angeführt, dass die Unterschiede zwischen einer beratenden und verbindlichen Abstimmung aus Praxissicht marginal seien.

 

Von acht Vergütungsabstimmungen im DAX30 sind in der HV-Saison 2017 drei gescheitert. Dem Aufsichtsrat eines DAX-Unternehmens wurde, nachdem das Vergütungssystem trotz knapper Zustimmung nicht wieder zur Abstimmung gestellt wurde, fast die Entlastung verweigert.
Die kommende HV-Saison wird nicht weniger spannend werden, neben Vergütung dürften die anstehenden AR-Wahlen im Fokus stehen.

 

Immer mehr Investoren erwarten vom Aufsichtsrat ein schlüssiges Nominierungskonzept, das in der HV-Einladung erläutert werden sollte. Ein wesentlicher Teil des Nominierungskonzeptes ist das angestrebte Kompetenzprofil. Neben den Kompetenzen sind die Diversity-Anforderungen, Altersgrenzen und Cooling-Of-Vorgaben zu berücksichtigen. Aussagekräftige Lebensläufe, bei Wiederwahl der Ausweis der Sitzungsteilnahme werden mittlerweile als Standard gefordert.